
Sommercamps für junge Menschen mit Behinderung und besonderen Bedürfnissen
Therapie für Kinder mit Behinderung braucht Zeit, lange Zeit. Das merkt man auch beim zweiwöchigen Tagescamp, wie Nikoleta, Leiterin der sozialen und medizinischen Arbeit bei NG Albania, berichtet:
Am Anfang, als wir vor Jahren mit den Camps begannen, mussten wir den Kindern beibringen, überhaupt miteinander zu interagieren. Sie sind damals aufeinander losgegangen, haben sich geprügelt, geschrien oder sind weggelaufen. Heute ist das fast kein Thema mehr, Respekt und gegenseitige Hilfe dominieren. Bedenkt man, dass die Teilnehmer unter körperlichen oder geistigen Einschränkungen, autistischen Störungen oder Down-Syndrom leiden, ist das schon eine Leistung. Die Sommercamps sind ein wichtiger Baustein der Förderung in der Therapiegruppe.
Jetzt sind wir in einer neuen Phase. Die große Aufgabe ist es, sie auf das Erwachsenenleben vorzubereiten. Auf die harte Realität, wenn ihre Eltern einmal nicht mehr für sie da sein werden.
Von Menschen mit Behinderungen wird in Albanien kaum etwas erwartet, sie werden so gut es geht versorgt, aber aus dem gesellschaftlichen Leben herausgehalten. Das muss sich für unsere Gruppe ändern. Bei uns bekommen sie Hilfe für das, was sie selbst nicht können. Aber dafür lernen sie selbst auch für andere da zu sein. Es ist großartig zu sehen, wenn ein Kind mit Autismus einer erwachsenen Frau mit physischen Problemen hilft, sie an der Hand nimmt und sie an ihren Platz bringt. Auf diese Weise verstehen sie, dass auch sie etwas geben und Teil der Gemeinschaft sein können. Jeder der 14 Teilnehmer (12 Teenager aus der Therapiegruppe und 2 Frauen aus den Sozialprojekten), bekommt beim Camp Aufgaben: Sie dekorieren und decken den Tisch, bedienen, räumen auf und helfen einander. Sie blühen dabei förmlich auf.
Natürlich kommen auch Spaß und Spiel nicht zu kurz. Absolute Favoriten sind die ausgelassenen Wasserschlachten und der Badetag am Strand, aber auch Ausflüge, die vielen gemeinsamen Spiele und die Preisverleihung am Ende. Denn in jedem Spiel und jedem Wettbewerb wurde ein anderer als „Bester“ gekürt. Dieses Jahr haben wir sogar ein echtes Talent im Tischtennis entdeckt! Jeder ging stolz mit einer Goldmedaille nach Hause.
Fleißige Helfer
Das Programm beim Sommercamp ist sehr intensiv für Nikoleta und Anila vom Sozialteam. Diesmal fragten sie sich ernsthaft, wie sie das alles alleine bewältigen sollten. Hilfe kam von ganz unerwarteter Seite, von einem Schüler (11. Klasse) der Nehemia Schule. Dioneo, der Sohn von Anila, fragte ganz von sich aus, ob er nicht mitarbeiten dürfte. Nikoleta ist begeistert: “Dioneo war perfekt! Voller Energie. Er wusste instinktiv, wie man mit der Gruppe umgeht, auf die einzelnen zugeht, wann man ‚stopp‘ sagen muss. Vieles brauchten wir ihm gar nicht erklären. Wenn wir in der Vergangenheit freiwillige Helfer hatten, dann haben sie das Tempo meist nicht lange ausgehalten. Nicht so bei Dioneo, er war bis zum Ende dabei, hat mitgespielt und sich um die einzelnen gekümmert. Das muss ihm wohl in die Wiege gelegt sein.“ Außergewöhnlich war auch die großartige Unterstützung aller anderen Mitarbeiter auf dem Campus - ob Köchinnen, Hausmeister oder Chauffeure - alle sind den Teilnehmern mit
Respekt begegnet und haben ihr Bestes gegeben, um das Camp zu einem Erfolg zu machen. Das haben auch die Teilnehmer gespürt, es tat ihnen sichtlich gut.
Und was sagen die Eltern?
Die Familien sind sehr dankbar für diese Sommercamps: „Warum macht ihr nicht 1-2 Monate lang Camp, dann könnten wir endlich auch einmal ausspannen und uns um uns selbst und den Rest der Familie kümmern.“ Viele berichten: „Nach einem Tag im Camp kommt mein Kind heim, fällt ins Bett und schläft. Keine Spiele mehr am Handy, keine Unruhe, keine Aggressivität. Abends können wir zusammen rausgehen, das Kind ist ausgeglichen und ruhig. Ganz anders als sonst.“
Es bleibt wohl erstmal bei zwei Wochen im Jahr - aber die
machen einen großen Unterschied im Leben dieser Familien - die Mühe lohnt sich!


