Sie wirken gelöst und fröhlich - Frauen, die mit Anila (im roten Pullover) Kaffee und Kekse in der Sonne genießen. Was man nicht sieht: Dies sind die wenigen unbeschwerten Momente in ihrem Leben.

Seit fast 24 Jahren arbeitet Anila im Sozialdienst von NG in Albanien. Sie kümmert sich um 
gelähmte oder bettlägerige Menschen und Kinder mit Behinderungen. Sie erzählt: „Als ich in 
diesen Familien arbeitete, spürte ich, dass auch die Angehörigen Hilfe nötig hatten - den Frauen und Müttern ging es sehr schlecht, sie waren todmüde, überlastet und oft am Ende ihrer Kräfte.
 Deshalb haben wir vor Jahren mit regelmäßigen Treffen in einer kleinen Frauengruppe begonnen.“ Mittlerweile sind es schon neun Gruppen mit jeweils etwa fünf Frauen in verschiedenen Altersgruppen, die alle auf irgendeine Weise mit der sozialen und medizinischen Arbeit von NG Berührung haben, ob als Mütter, Angehörige, Klientinnen oder Patientinnen.  

Für die Frauen sind diese Treffen mehr als Kaffeeklatsch. Sie leben sehr isoliert. Bei einem Ausflug nach Drilon brach eine Frau in Tränen aus: Sie hatte den wunderschönen Park noch nie besucht, obwohl er nur drei Minuten Fahrt von der Stadt entfernt ist! Andere waren noch nie in Lin, einem historischen Dorf am Ufer des Ohridsees, das zu den ältesten besiedelten Orten in Europa gehört! Dies ist einer der Gründe, warum die Trefffen möglichst an verschiedenen Orten stattfinden - in einem Café, einem Park oder einer kleinen Sehenswürdigkeit. 

Selbst ein Spaziergang ohne familiäre Begleitung ist für manche Frauen nicht selbstverständlich. Bei manchen Ehemännern muss Anila jedes Mal um Erlaubnis bitten, ob sie die Frauen zum Treffen abholen darf. Nikoleta, Leiterin der Sozialarbeit bei NG betont: „Es gibt den Frauen Selbstvertrauen und Anerkennung, wenn sie plötzlich etwas zu erzählen haben oder bei lokalen Themen mitreden können. Das hebt ihren Status auf ein neues Niveau.“ Im Gespräch mit ihnen taucht ein wichtiges Wort immer wieder auf: Respekt. Die Frauen fühlen sich gesehen und respektiert wie sonst selten.  

Anila meint: „Wir besprechen in den Gruppen die Probleme, die jede einzelne hat - die sind oft enorm. Und wir lesen immer ein Wort aus der Bibel, sprechen über Gott und beten gemeinsam. Das ist das Wichtigste.“ Immer wieder erleben sie wunderbare Fügungen. Die Familie, die mit ihrer behinderten Tochter auf der Straße stand und ein kleines Haus zum Spottpreis erwerben konnte. Oder die Mutter, deren Sohn unschuldig befunden und unerwartet aus dem Gefängnis entlassen wurde. Bei vielen hat sich die finanzielle Not langsam verbessert. Anila erzählt von mehreren jungen Frauen, alle noch nicht lange verheiratet, die verschämt um Gebet baten. Sie alle erlebten schwere häusliche Gewalt! Nicht lange danach berichtete eine nach der anderen: „Anila, es ist viel besser geworden zuhause.“  

Die Frauen bringen es auf den Punkt: „Wir kommen endlich einmal raus, unternehmen etwas, sprechen über unsere Probleme und Leiden, beten gemeinsam - und unser Stress verschwindet, er verschwindet komplett!“

Den Internati. Frauentag (7. März) feierten die Frauen gemeinsam - Tanzen gehört immer dazu.

„Die Nöte bestimmen unsere Programme“ lautet ein Arbeitsprinzip von NG.  Dies gilt auch für die Frauengruppen. Geboren aus den Bedürfnissen der Frauen, kann mit wenigen Mitteln viel bewirkt werden. Danke allen, die sich beteiligen und mit ihrer Spende helfen, diesen Frauen und ihren Familien die Tür in ein erfüllteres Leben zu öffnen.