Bald beginnen die Abiturprüfungen für Paola. Sie besucht die 12. Klasse am Nehemia Gymnasium in Buçimas, aber das ist alles andere als selbstverständlich! Im Gespräch mit ihr würde man gar nicht darauf kommen, wie schwierig ihr Leben ist. Ein Leben voller Entbehrungen, in zwei kleinen Zimmern zusammen mit dem bettlägerigen Vater, der arbeitslosen Mutter und zwei jüngeren Schwestern. Die Familie kommt ohne Hilfe nicht über  die Runden - ein typischer Fall für das Amaro Tan Programm von NG. Sie bekommen regelmäßig Unterstützung von NG, gehören sozusagen schon zur NG Familie. Auch Paolas Schwestern können bei NG zur Schule gehen. Sogar die NG Belegschaft hilft mit, sie haben z.B. vor einiger Zeit den Erlös ihres Benefiz-Volleyballturniers gespendet, als die kleine Wohnung durch einen Wohnungsbrand unbewohnbar geworden war. 

Für Paola ist die Ausbildung wichtig, sie gibt sich große Mühe, lernt fleißig und kommt zuverlässig zum Unterricht und zu allen Schulterminen. Sie erzählt: „Nach der Schule gehe ich meistens gleich nach Hause und lerne 2-3 Stunden lang für die Schule.“ Es ist mit Sicherheit nicht einfach, hierfür in der überfüllten Wohnküche die nötige Ruhe zu finden. Doch sie hat eine Perspektive und die Chance, ihre Träume Wirklichkeit werden zu lassen – sie liebt das Fach Wirtschaft, träumt davon, einmal Jura studieren zu können. Wir sind gespannt, wohin ihr Weg sie nach dem Abitur führen wird.

Paola denkt noch immer etwas wehmütig an die Zeit an der Amaro Tan Schule zurück. „Dort habe ich mich sehr wohl gefühlt. Von der 1. bis zur 9. Klasse waren wir immer zusammen, wie eine kleine Familie, und auch der Unterricht hat mir sehr gefallen. Wir konnten die Hausaufgaben am Nachmittag in der Schule 
erledigen. Die Lehrer waren extrem hilfsbereit und immer für uns da.“

 
Der Wechsel auf Nehemia Gymnasium bedeutete eine völlig neue Umgebung, neue Freunde und andere akademische Anforderungen. Paola hat diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert.

Elona Rira, Direktorin der Nehemia Schule, liebt das Stipendienprogramm, sie kommt richtig ins Schwärmen: „Es ist unsere Aufgabe und unser Herzensanliegen, vor allem jenen Schülern zu helfen, die aus Familien stammen, denen die Gesellschaft ihre Türen verschließt und sie als weniger wertvoll behandelt. Diesen Schülern dabei zuzusehen, wie sie darum kämpfen, jemand zu werden und ihre Realität und die ihrer Familien zu verändern, und in diesem Prozess des Werdens, den sie durchlaufen, ein Landsmann zu sein, ist für uns alle als Lehrer sowohl eine Herausforderung als auch eine Ermutigung und Freude.

Wir hoffen und wünschen, dass wir während der Jahre bei uns an der Schule auch Paola unsere Werte vermittelt haben und dass die akademische Vorbereitung ihr neue Türen für die Zukunft öffnen wird. Ziel ist, dass sie nicht nur sich selbst helfen kann, sondern auch ein Licht für ihre Familie und die Gemeinschaft, in der sie leben wird, sein wird.“