
Zwischen Weihnachten und Neujahr ging es bei NG in Albanien hoch her. Dank der großzügigen Spende und Lieferung von 1.500 Lebensmittelpaketen durch die Johanniter-Unfall-Hilfe aus Weilheim in Bayern konnten wir fast 400 bedürftige Familien in einer kritischen Zeit Hilfe bringen. Mehr als die Hälfte der Pakete wurde sofort verteilt, zwei pro Familie, gerade rechtzeitig zu Silvester. Der Zeitpunkt war ein bisschen heikel. In Albanien kommt während der Feiertage fast alles zum Stillstand. Würden die Einfuhr- und Zollformalitäten reibungslos verlaufen? Würde das Winterwetter den Zugang zu abgelegenen Dörfern ermöglichen? Unser Ziel war es, alle 393 Familien vor Beginn der Neujahrsfeierlichkeiten zu erreichen.
Zur Erleichterung aller gingen die Einfuhrformalitäten schnell über die Bühne. Als der Sattelzug in Pogradec ankam, tauchten NG-Mitarbeiter aus ganz verschiedenen Bereichen auf, um beim Abladen zu helfen. Einige brachten sogar Familienmitglieder mit. Danach wurden zwei Tage lang Pakete verteilt - eine logistische und physische Herausforderung, während um uns herum jeder mit Festvorbereitungen beschäftigt war. Kollegen von der Johanniter-Unfall-Hilfe packten selbst mit an, wie auf dem Foto zu sehen ist. Nikoleta, Leiterin der sozial- und medizinischen Arbeit (SMI), erzählt: „Wir haben von morgens bis abends ohne Pause gearbeitet, nicht einmal für eine Kaffeepause nahmen wir uns Zeit. Am Ende der drei Tage konnte ich meine Arme kaum noch heben. Aber wir waren so dankbar, dass wir es geschafft hatten.“
Solche Einsätze belasten oft über körperliche Erschöpfung hinaus. In den abgelegenen Bergdörfern werden die Teams mit tiefer Isolation und Verletzlichkeit konfrontiert. Nikoleta erinnert sich daran, wie sie nach einer älteren Frau sah, die seit Tagen nicht gesehen worden war.
Nachdem sie fast eine halbe Stunde lang geklopft und gerufen hatte und das Schlimmste befürchtete, war sie erleichtert, als die Frau endlich aus dem hinteren Teil ihres kleinen Hauses antwortete. „Gott sei Dank lebte sie noch“, sagt Nikoleta.
Nikoleta dokumentiert sorgfältig jede Verteilung und baut vertrauensvolle Beziehungen auf.
Sie war auch bewegt vom Anblick älterer Männer mit ihren Pferden und Maultieren, die in der klirrenden Kälte auf die Ankunft des Teams gewartet hatten. Bevor sie sich auf den langen Heimweg machten, wärmten sie sich an einem kleinen Feuer. „All diese Mühen nur für ein paar Lebensmittel. Das bricht einem das Herz“, erzählt sie, „aber es zeigt auch, wie wichtig diese Unterstützung wirklich ist.“
Nicht jede Begegnung ist einfach. „Manchmal fragen die Menschen: ‚Warum so spät?‘ oder ‚Warum so wenig?‘“, erklärt Nikoleta. „Wenn jeder Tag ein Kampf ums Überleben ist, fällt es schwer, das Gesamtbild zu sehen, zu verstehen wie Spenden und ehrenamtliches Engagement funktionieren. Deshalb reagieren unsere Teams mit Geduld, Freundlichkeit und Dankbarkeit. Wir sind froh, dass wir den Menschen, die solche Not leiden, zur Seite stehen können.“
An der Felsformation „Guri i Kamjes“ ist noch immer der Rauch des wärmenden Feuers zu sehen.
In den nächsten Wochen werden die restlichen Pakete verteilt. Danach besorgen wir wieder neue Lebensmittel und packen wieder Pakete für die Familien.
So ein Lebensmittelpaket kostet zwar nur 23 Euro, aber Transport und Arbeitsaufwand kommen noch dazu. Jede Spende macht da einen spürbaren Unterschied und hilft uns, auch die Menschen in den entlegendsten Orten zu erreichen.


